EIN UND AUS UND KURZ MAL RAUS



Die letzten Monate ist viel passiert. Die Schwangerschaft und die Geburt von Hedi. Unser neuer Alltag zu viert. Fannys erstes Schuljahr. Der Umzug in die neue Wohnung. Und mein zweites Buch. Jedes für sich aufregend und wunderbar. Alles zusammen ein ganz schön wilder Ritt und ich merke gerade: Ich muss jetzt mal ausruhen. Einatmen, ausatmen, keine To-do-Listen anlegen, nicht einmal im Kopf. Vorgestern sind wir in Amsterdam angekommen, unser elfter Haustausch – noch einmal mit dem Paar, das wir so mochten. Jetzt sitze ich am riesengroßen Fenster unserer Wohnung und der Himmel vor mir färbt sich von grau zu rosa zu orange zu graublau. Und der Turm mit der Uhr, die den ganzen Tag viertel nach zwei anzeigt, hat gerade sein rotes Licht eingeschaltet. Und durch die offene Balkontür kommt diese Luft herein, die nicht mehr ganz sommerwarm, aber auch noch nicht herbstkühl ist und so herrlich frisch riecht. Und im Plattenspieler (wie schön ist es, einen Plattenspieler zu haben) läuft „The Best of Dionne Warwick”. Und auf dem Tisch neben mir liegen all die Köstlichkeiten, die wir eben eingekauft haben – die Schokolade mit Kaffee-Crunch und süß-salziges Popcorn. Und vorhin haben wir den Beamer angeschlossen. Und wenn wir nicht zu popcornschwer sind oder noch ein bisschen auf dem Balkon sitzen, schauen wir vielleicht noch einen der Filme, die wir im Kino verpasst haben, Paterson, Tschick oder Manchester by the Sea. Aber bevor ich das alles (oder auch: nichts) mache, wollte ich noch einmal zu euch rüberwinken und danke sagen. Danke fürs immer wieder so viel Anteilnehmen und Mitfreuen und fürs Lesen, auch wenn ich in den letzten Monaten nicht so viel geschrieben habe, wie ich das gerne wollte. Ab dem Herbst gibt es (hoffentlich) wieder mehr Slomo, denn ich habe das Viel-Schreiben hier vermisst. Falls ihr Lust habt uns ein wenig auf unserer Reise zu begleiten, schaut gerne auf Instagram (okka_rohd) vorbei. Hier geht´s im September weiter. Ich freue mich schon darauf. Und hoffe, ihr habt es bis dahin so richtig schön!  

PS: Und falls jemand von euch noch Tipps für Amsterdam oder einen Tagesausflug mit dem Zug hat (Harleem? Utrecht? Den Haag?) – ich freue mich sehr über Tipps!

Foto: Das Bild oben zeigt die „Leaves Collection N2” von Miles of Light – es hängt seit ein paar Tagen an meiner Schlafzimmerwand zu Hause und ich habe es auf Juniqe gefunden.

GROSSE NEUIGKEITEN: MEIN ZWEITES BUCH „HERDWÄRME”


Schon so lange wollte ich euch erzählen, warum es hier in den letzten Monaten immer wieder ein wenig stiller gewesen ist. Nun kann ich es endlich: Mein zweites Buch „Herdwärme” ist (fast) fertig. Begonnen hat alles vor über zwei Jahren mit einem Wunsch. Ich koche wirklich gerne, aber leider nicht sonderlich gut und vor allem: ohne die geringste Ahnung zu haben, was genau ich da eigentlich tue. Irgendwann stand ich in der Küche und dachte: Wie toll wäre es, wenn ich mir das Kochen von Menschen beibringen lassen könnte, die wissen, was sie tun – und Lust haben, ihr Wissen mit einem Amateur zu teilen. Ich erzählte meiner Freundin Claudia von diesem Wunsch. Sie sagte: „Also wenn du im Frühling sowieso nach Paris fährst, triff dich doch mit Pierre-Olivier Lenormand, dem Cousin einer guten Freundin. Er hat eine Brasserie namens Cassenoix in der Nähe des Eiffelturms, war schon französischer Junior-Dessertmeister und zeigt dir bestimmt gerne etwas.” Ich schrieb ihm, total sicher, was er antworten würde. Warum sollte er auch einer wildfremden Berlinerin beibringen, wie man Desserts kocht? Dann bekam ich eine Email von ihm. „Total gerne”, stand da, „komm vorbei, ich freue mich”.

Ich ging mit vor Aufregung ganz zittrigen Händen hin. Weil man ja irgendwo anfangen muss, hatte ich ihm eine Frage geschickt: Kannst du mir vielleicht ein Dessert für die ganze Familie beibringen und eines für einen Abend zu zweit? Da wusste ich noch nicht, dass Pierre-Olivier berühmt für seinen Reispudding ist. Ich wusste auch nicht, was dieser Reispudding für eine Wirkung auf mich haben würde. Ich probierte ihn. Nahm mir noch mehr von der salzigen Karamellsoße. Schloss die Augen. Öffnete sie nur, um weiter zu löffeln. Ach, dieser Pudding. Cremig. Weich, mit einem letzten Rest von Knackigkeit. Süß, aber auf eine leise Weise. Auch ein wenig salzig. Unendlich tröstlich. Irgendwann sah ich wieder zur Pierre-Olivier, der kurz lächelte und dann schwungvoll die Tür zu seiner Küche öffnete. „Lass uns loslegen.” Er brachte mir bei, wie man seinen Reispudding kocht. Und die Karamellsoße. Er zeigte mir, wie man Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern backt. „Ein Rezept für zwei Liebende”, wie er sagte. Ich schaute und probierte und rührte und schrieb und schrieb, um nur nichts wieder zu vergessen. Das Ei NICHT am Schüsselrand aufschlagen, sondern auf einem Küchenbrett, dann gibt es weniger kleine Risse und es kann keine Schale in die Schüssel fallen. IMMER ein feuchtes Tuch unter das Brett legen, dann rutscht es weniger. Die Vanilleschote nicht einfach auskratzen, sondern vorher vorsichtig mit dem Messer flach drücken, dann bekommt man mehr heraus. Wir verbrachten seine gesamte Mittagspause in der Küche. Am Ende hatte ich nicht nur das Rezept für zwei Desserts, die ich seither immer und immer wieder gemacht habe, ich hatte auch etwas über mich gelernt. Nicht immer solche Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen, zum Beispiel. (Wie hatte Pierre-Olivier es gesagt? „Du musst viele Fehler machen. Wie im Leben. Du wirst nur ein besserer Koch, wenn du übst und übst und übst – wie ein Sportler – bis die Bewegungen deiner Hände selbstverständlich werden.”) Sich zu trauen, um Hilfe und Rat zu fragen. Nicht nur hinzusehen, sondern auch hinzuschmecken. Es hat lange gedauert, bis ich mich von dieser Begegnung wieder leergeschwärmt hatte. Wie großzügig kann ein Mensch sein?



Wieder zu Hause beschloss ich, aus dem Wunsch eine Realität (und ein Buch) zu machen und immer weiter zu fragen. All die Berliner Köche, die ich so mag und bewundere. Fast alle sagten sofort zu (ich kann es bis heute schwer glauben, aber es war wirklich so). Florian Schramm von Standard Pizza hat mir erklärt, was das Geheimnis einer neapolitanischen Pizza ist. Conny Suhr und Joel Marchand von Princess Cheesecake haben mir beigebracht, wie man einen guten Käsekuchen backt. Caroline Grinsted vom Muse hat mir gesagt, wie man es schafft, entspannt für eine große Runde zu kochen. Christoph Hauser und Michael Köhle vom Herz & Niere haben mir gezeigt, wie albern meine Angst vor Innereien ist. Petra Rimkus von deli.cat (im Foto oben zu sehen) hat mit mir zwei ihrer Lieblingssalate gemacht. Sascha Ludwig, damals noch beim Filetstück, hat mir beigebracht, wie ein anständiges Steak geht. Und Ernst Schleich, der in der österreichischen Botschaft arbeitet, wie man ein richtig gutes Schnitzel macht. Florian Mickan, Gründer des Joris und jetzt gastronomischer Leiter der Factory Kitchen Berlin, hat mich mit seiner Kartoffelliebe angesteckt. Julia Radtke, die das wunderschöne Food-Blog Tiny Spoon schreibt, hat mir erzählt, wie man Kinder glücklich kocht. Und Andreas Langholz von Colecomp, was für Dinge man wirklich in der Küche braucht (deutlich weniger, als ich dachte). Kai Michels und Lucie Babinska von der Feinen Pâtisserie Jubel haben mir verraten, wie man die Windbeutel macht, nach denen ich so süchtig bin. Food-Konzepterin Telse Bus hat mit mir darüber gesprochen, wie man es schafft, sich frei zu kochen und mir gezeigt, was man alles aus einer Roten Bete machen kann (ich habe dabei nicht nur irre viel gelernt, sondern auch eine Freundin gefunden). Und dann war da noch dieser unvergessliche Tag in Wien, als ich Eschi Fiege in ihrer lovekitchen besucht habe und wir gemeinsam Mittagessen gekocht haben, nachdem wir auf dem Naschmarkt einkaufen waren. 

Am Ende habe ich alles aufgeschrieben. All die Begegnungen, die Küchengeheimnisse, die sie mir verraten haben, und ihre Rezepte. Es geht in meinem Buch aber nicht nur um Techniken, sondern auch um das Glück des Kochens. Um das Versöhntsein, das einen manchmal überkommt, wenn man in der Küche steht und kocht und das Leben für eine Weile mal nicht an einem zerrt. Um die Zufriedenheit im Bauch, wenn man mit vielen Freunden an einem Tisch sitzt und die Zeit sich mal kurz selbst vergisst. Um die Freude, am Herd zu stehen und einem fast fertigen Reispudding beim Blubbern zuzusehen, zu warten, bis er wirklich perfekt ist und ihn abkühlen zu lassen, weil er kalt tatsächlich noch besser schmeckt als warm. Und die Kanne mit der salzigen Karamellsoße zu holen und umzurühren, und sich eine Schüssel mit Pudding zu füllen, nicht die kleine, lieber die große, und die Soße darüber zu gießen, dick und bernsteinfarben. Und dann den ersten Löffel zu nehmen.

Von all diesen Dingen erzählt „Herdwärme”. Die Fotos, noch so ein Glücksfall, hat Simone Hawlisch gemacht. Vielleicht habt ihr ja Lust, es zu lesen – ich würde mich von Herzen darüber freuen.

„Herdwärme” erscheint im Kailash Verlag. Ihr könnt es ab dem 25. September beim Buchhändler eures Vertrauens kaufen.



DER JUNI 2017 (UND WAS IHN GUT GEMACHT HAT)



WAS LOS WAR
Die letzten Wochen hatte ich einen gewaltigen Durchhänger. Gefühl ungefähr: Bleischürze vorm Röntgen. Dabei war eigentlich gar nichts Dramatisches passiert. Ich war nur müde, noch müder als sonst. Müde von den letzten Monaten, Wochen, Tagen. Auch überfordert. Vom immer noch Irgendetwas und nie nichts. Bis ich irgendwann morgens in der Küche stand, die Sonne in drei dicken Streifen auf den Küchenboden fiel und ich einfach keine Lust mehr auf Bleischürze hatte. Die Tage danach waren nicht weniger anstrengend, in letzter Zeit ist einfach irre viel los. Aber plötzlich konnte ich auch wieder all das sehen, was da ist. Und: wieviel das ist. Und wie gut ich manchmal darin bin, mich in meinen eigenen Gedanken einzudrehen. 

AUFREGENDSTER MOMENT
Als Hedi mich angrinste und loskrabbelte. Ganz eckig noch und irrsinnig aufgeregt, dass sie plötzlich irgendwo hinkrabbeln konnte. 

IMMER WIEDER GESTAUNT
über meine beiden Mädchen. Jede für sich und dann beide zusammen. Wie Hedi sich jedes Mal freut, wenn sie Fanny sieht, und diese Freude nie kleiner wird. Als würde sie Fanny jedes Mal zum ersten Mal sehen. Wie sie sich freut, wenn sie ihr morgens vor der Schule noch einen Kuss gibt, einen ganz dicken, und noch einen und einen allerletzten und ihr dann nachsieht. Wie liebevoll und aufmerksam und großzügig Fanny mit ihrer kleinen Schwester ist. Manchmal darf sie sogar Salut in die Nase beißen. 

SCHÖNSTER KLEINER MOMENT
Im Nachhinein gab es viel mehr solcher Momente, als ich diesem Monat zugetraut hatte. Ich mag es so, in dieser Wohnung anzukommen und sie immer besser kennenzulernen. Das Licht über der Straße, das kurz vorm Sonnenuntergang fast jeden Abend eine Riesenshow hinlegt. Der Ukulele-Spieler, der bei gutem Wetter auf seinem Balkon sitzt. Oder die eine Knarzdiele in der Küche. Der Samstagmorgenspaziergang, den wir uns in diesem Monat angewöhnt haben. Erst gehen wir frühstücken, dann in unseren Lieblingsbuchladen, danach butschern wir noch ein bisschen durch den Kiez oder gehen über den Markt. Und: dieser Nachmittag mit einer Freundin, die ich viel zu lange nicht gesehen hatte. Zwei Frauen, zwei Babys, sehr viele Törtchen und das Gefühl, ein Glücksschwein zu sein mit solchen Freunden. 

GRÖSSTE VERÄNDERUNG IN DER WOHNUNG
Neben jeder Menge Pflanzen (und es werden immer mehr, weil ich sie so schön finde): Wir haben unseren alten braunen Küchentisch rosa gestrichen. Die ersten Tage war ich mir nicht sicher, ob das vielleicht ein Riesenfehler war. Dann habe ich mich in unseren Schweinchentisch verliebt. Wahrscheinlich weil ich jedes Mal grinsen muss, wenn ich ihn sehe. 

GERNE GESEHEN
„The Blacklist” auf Netflix. Nicht die wertvollste Serie aller Zeiten, aber genau richtig, um abzuschalten. Jetzt bin ich durch mit den ersten drei Staffeln und suche nach einer neuen Serie. Neu auf meiner Liste: „Fleabag” und „Anne with an E”. Und außerdem war da noch dieses Video, das mich so beeindruckt hat. Musikerin Alexa Wilding über ihren Körper nach der Geburt ihrer Zwillinge: „In a strange way, I´m free now.”

GERNE GEKLICKT

DER PLAN FÜR DIE NÄCHSTEN TAGE
Endlich die letzten Kisten ausräumen und die Wohnung fertig machen. Und dann: durchatmen. Kaffeetrinken gehen mit Freundinnen. Den Gutschein für das „Treat Collection Beauty Loft” einlösen, den ich zum Geburtstag bekommen habe. Und etwas Schönes kochen. 

Und ihr so? 
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EINER WIE KEINER – ÜBER EINEN GANZ BESONDEREN BÄREN


Salut heißt er, weil er aus Paris kommt. Wir waren einkaufen, landeten in einem Laden auf der Champs-Élysées, dort war er gestrandet, in einem Korb voller Kuschelbären. Er hätte dort vielleicht noch lange gelegen, hätte Fanny ihn nicht entdeckt. Mama, sagte sie, mit dieser Stimme, der man so schwer etwas abschlagen kann, nur dass sie an diesem Tag noch ein wenig dringlicher war als sonst. Es war Liebe auf den ersten Blick. 

Das ist jetzt drei Jahre her. Fanny ist in diesen drei Jahren ein Schulkind geworden, sie kann Fahrrad fahren, den Gummibären-Song singen, kleine Zettel schreiben, die einem das Herz umdrehen, schweinebaumeln und auf Inlinern herumflitzen. Lauter Dinge, die sie vor drei Jahren noch nicht konnte. Ihre Liebe zu Salut ist aber immer noch so glühend wie in dem Augenblick, als die beiden einander gefunden haben. Wenn sie malt, sitzt er auf dem Tisch und schaut ihr beim Malen zu. Wenn sie in ihrem Bett liegt und liest, wenn sie einschläft, aufwacht, ist er dabei, und manchmal, wenn sie doch vergessen hat, ihn mit ins Bett zu nehmen, erschrickt sie sich ganz fürchterlich, Salut, sagt sie dann, ich brauche noch Salut. Er war mit in Paris, Amsterdam und Stockholm und auf jedem Spielplatz in der Umgebung. Er war auch dabei, als sie zum Arzt musste, vor ihrem Besuch wurde er ausführlich untersucht und behandelt, damit es ihr ein wenig leichter fiel. Manchmal trägt sie ihn in einem Tragetuch, wie ich jetzt gerade immer Hedi trage. Er trägt Mützen und Schals gegen die Winterkälte, manchmal auch einen Badeanzug, den er sich von Fannys Puppe Lotte leiht, und Pflaster, wenn er sich weh getan hat (manchmal auch, wenn er sich nicht wehgetan hat). An einigen Stellen ist sein Fell schon ganz platt gekuschelt. Offiziell ist er drei Jahre alt, Geburtstag hat er aber ungefähr einmal im Monat, dann singen wir für ihn und werfen ihn in die Luft und er darf aus dem Honigglas so viel naschen wie er will. Früher durfte er manchmal auch weiße Bohnen essen, die isst er nämlich besonders gerne, aber seit er sich eines Abends zum Mond gepupst hat und von dort nicht wieder herunter wusste, gibt es nur noch Honig und manchmal ein Stückchen Brot für ihn. 

In den Geschichten, die sie sich zum Einschlafen erzählen lässt und in denen sie sich aussuchen kann, wer in ihnen vorkommt, gehört Salut zur Stammbesetzung. Eine Zeitlang hielt er es vor Langeweile in seinem Wald nicht mehr aus, zu wenig Gesellschaft, zu wenig Abwechslung, zu wenig Honigsorten. Also machte er sich auf den Weg in die Stadt, aber die Menschen liefen davon, weil sie Angst vor Bären haben, bis eines Tages ein Mädchen namens Fanny vor ihm stand und ihn fragte, ob sie ihm helfen könne. Am Ende zog er bei ihr ein und sie machte ihm Honigbrot, eine Honigwaffel und Honigeis, gegen den schlimmen Hunger. Ein paar Wochen lang war er dabei, als es darum ging, dem Buchstabendieb den Buchstaben wieder abzujagen, den er geklaut hatte. Fanny hatte er ihr F gestohlen, deswegen nannten alle sie nur noch Anny. Walter, dem Wal, sein W, und Alter wollte er nun wirklich nicht genannt werden. Salut war ein besonders guter Buchstabenfinder, denn er hatte einen Trick: Alle zusammen legen sie sich in ein Bett, jeder bekommt einen Löffel Honig, nur Salut kriegt zwei, dann halten alle einander an den Hände, Pfoten, Tatzen, Flossen und schlafen ein. So landen sie im selben Traum, statt jeder in seinem eigenen, und in diesem Traum finden sie die verlorenen Buchstaben wieder – in einem Vulkankrater, auf einem Schiff, im Dschungel. Wenn sich keiner traute, nach den Buchstaben zu greifen, traute sich Salut. Er holte tief Luft und tauchte auf den Meeresboden, um das F wieder heraufzuholen. Er pustete es sogar trocken, bevor er es Anny zurückgab. Alters W versteckte sich hinter einer Kokosnuss auf einer sehr hohen Palme. Er kletterte hinauf und holte es zurück, obwohl er Kokosnüsse nicht leiden kann. So einer ist er. Jederzeit bereit für ein Abenteuer. Ein guter Freund. Loyal. Geduldig. Freundlich. Und immer honighungrig. 

Er ist da, einer von uns, wir sind jetzt nicht mehr vier, sondern fünf, denn schon längst lebt er auch für uns – es ist eine Lektion, die wir durch Fanny begriffen haben: Wer geliebt wird, hat eine Seele, Empfindungen, Gefühle, wie alle anderen Lebewesen auch. So ist das mit uns fünf.

Dieses Foto, das ich so mag, hat Simone Hawlisch gemacht, der ihr wahrscheinlich schon lange auf Instagram folgt, dort heißt sie fraueleinsonntag

EIN BLICK INS NEUE KINDERZIMMER



So sehr wir uns auf die neue Wohnung gefreut haben, so schwer ist uns auch der Abschied gefallen – vor allem Fanny. Damit es ihr ein bisschen leichter fällt sich einzuleben, haben wir den Umzug genutzt, um aus ihrem Zimmer ein Schulmädchen-Zimmer zu machen. Als ich sie gefragt habe, was sie toll fände, wünschte sie sich: etwas Knallgelbes, einen Platz für alle Lieblingskuscheltiere und eine geheime Geheimhöhle. Herausgekommen ist dabei dies:


1. Das Regenbogen-Bild, das Einhorn (von dem man nur die Mähne sieht) und die Kakteen sind allesamt von Meri Meri und zum Beispiel hier zu kriegen oder hier

2. Der Betthimmel ist von Numero 74 – wir haben ihn hier gefunden, in Weiß scheint es ihn gerade nicht mehr zu geben. Ich war mir erst nicht sicher, ob sich diese Investition wirklich lohnt, aber Fanny liebt den Himmel mit seiner Lichterkette und dass er ihr Bett zu einer Höhle macht, sobald sie den Vorhang zuzieht.

3. Das Setzkasten-Haus von H&M ist hier zu finden. Darin haben die gesammelten Spaziergang-Schätze, ihre Lieblingsplaymobilfiguren und ein paar Muscheln und Steine Platz.

4. Das Ikea-Bett gibt es hier.

5. Den Teppich hier.

6. Das Wolkennachtlicht von A Little Lovely Company habe ich hier entdeckt. Vertreibt ziemlich gut Monster.

7. Die Ikea-Holzkisten, die ich Gelb angemalt habe, sind hier zu bekommen, in groß und klein. Das Leuchtgelb hat sie sich selbst ausgesucht, es heißt (wenn ich mich richtig erinnere) Schwefelgelb.

8. Die Wandfarbe heißt Dimpse und ist von Farrow & Ball. Ein helles Grau, das den Raum sehr groß wirken lässt. Laut Beschreibung soll Dimpse aussehen wie die Farbe der Dämmerung. Mich erinnert sie eher an die Luft am Meer. *

9. Die Deckenlampe ist auch von Ikea und einfach mit großen, schwarzen Klebepunkten beklebt (online nicht zu kriegen, aber im Laden gab es noch welche).

10. Den Leuchtbuchstaben habe ich bei Victoria met Albert gefunden.

11. Das Mini-Kommode auf dem Schreibtisch ist auch von Ikea, gelb angemalt und hier zu finden. 

12. Die kleinen Schneekugeln haben wir auf unseren Reisen gesammelt, eine aus jeder Stadt, die wir besucht haben.

13. Die Papiergirlande über dem Bett haben wir zusammen gebastelt. Mit Seidenpapier von hier

14. Die Puppe habe ich zusammen mit der Puppenmacherin Maria Ribbeck gemacht. Sie heißt Lotte und wird sehr geliebt.

15. In unserem Flur steht jetzt ein großes Regal mit allen Kinderbüchern, aber neben dem Bett ist noch Platz für ein paar Lieblingsvorlesebücher. Gerade sind das: „Die kleine Hexe”, „Armstrong”, „Pluck mit dem Kranwagen”, „Geronimo Stilton: Fantasia ruft” (vor allem wegen der Duftseiten, die gruseligeren Seiten überspringen wir noch)  und „Polly Schlottermotz” (bald dann auch Band 3!).

PS: Da ich immer wieder Fragen zum Haustauschen gestellt bekommen, dachte ich mir, ich schreibe hier mal ein wenig ausführlicher darüber. Falls ihr also bestimmte Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Email an: postanslomo(at)googlemail(dot) com

Kommt gut ins Wochenende!

* Einen Teil der Wandfarbe habe ich von Farrow & Ball zur Verfügung gestellt bekommen. 

PARIS-TIPPS: EIN SPAZIERGANG DURCH DAS MARAIS
(UND EINE PLAYLIST GEGEN DAS FERNWEH)

Wir waren schon so oft in Paris und reisen doch immer in eine andere Stadt. Ein Nebeneffekt des Haustauschens: Wir wohnen jedes Mal in einem anderen Viertel – meistens in einem, in das wir sonst wohl nie gekommen wären. Und plötzlich ist die Stadt voller Zuhauses (was die Paris-Liebe nur noch größer macht). Dieses Mal haben wir mitten im Marais gewohnt, einem Viertel, das ich schon vorher sehr mochte, aber erst dieses Mal so richtig kennengelernt habe. Auch weil wir fast die ganze Zeit nur in unserer Nachbarschaft geblieben und herumspaziert sind, mal nach rechts, mal nach links, mal Fanny hinterher. Eine Paris-Woche ganz ohne Eiffelturm und Sacré-Cœur, was merkwürdig, aber auch sehr schön war. Hier sind ein paar Lieblingsadressen dieser Woche – einige alte, auch ein paar neue. Ein paar der aufgezählten Orte liegen genau genommen nicht mehr im Marais. Ich habe sie trotzdem aufgeschrieben, weil ich es schade gefunden hätte, sie nicht zu beschwärmen. C´est parti. Auf einen Spaziergang durch das Marais.
   




Ich habe sie hier schon einmal empfohlen und würde es immer wieder tun, denn die kleinen Windbeutel schmecken so toll wie sie aussehen. Und bei Sonnenschein auf einer Parkbank zu sitzen und mit Passionsfruchtcrème gefüllte Windbeutel zu naschen, macht einen sehr weltversöhnt.
29 rue Debelleyme, 75003 Paris.

Ein wirklich hübscher Coffeeshop mit wirklich netten Menschen hinter der Theke und wirklich gutem Kaffee (wobei ich hier sicher nicht als Expertin spreche). 
54 rue de Saintonge, 75003 Paris.

Das wahrscheinlich meistfotografierte Café von Paris. Dass es hier immer voll ist, liegt aber auch daran, dass es hinter der hübschen, hellblauen Fassade ganz hervorragenden Kaffee gibt.
19 Rue du Pont aux Choux, 75003 Paris.


Jedes Mal, wenn ich in Paris bin, gehe ich im Café Charlot essen. Keine Ahnung, warum ich mich ausgerechnet in dieses Café verknallt habe, im Grunde ist es ein Café, wie man es in Paris an jeder zweiten Ecke findet. Vielleicht mag ich es deshalb so. Es ist einfach durch und durch französisch. Und perfekt, um den Parisern beim Vorbeigehen zuzusehen.
38 rue de Bretagne, 75003 Paris.

Bontemps
Eine kleine, feine Patisserie, in der man sich eine Box voller Köstlichkeiten für ein Picknick im Square du Temple besorgen kann – einen kleinen Park mit Spielplatz direkt gegenüber.

In diesem zauberhaften Café haben Fanny und ich unseren „Nur wir zwei”-Nachmittag bei heißer Schokolade verbracht. Wir hatten den schönsten Tisch, direkt am Fenster, und wenn ich an unsere Ferienwoche zurückdenke, fällt mir immer zuerst dieser Nachmittag ein. 
76 rue des Tournelles, 75003 Paris.


Die Schlange in dieser Bäckerei geht gerne mal bis raus auf die Straße, aber das Anstehen lohnt sich. Ich habe das Pain de Sucre, die Focaccia und die Chouquettes probiert und am nächsten Tag gleich Nachschub gekauft. Eine wirklich gute Bäckerei in einer an guten Bäckereien wirklich nicht armen Stadt.
14 rue Ternaux, 75011 Paris.



Marché des Enfants Rouge
Kein Spaziergang durch das Marais ohne einen Besuch auf dem ältesten Markt von Paris. Rumbummeln, schauen, für ein Picknick einkaufen. Obst, Gemüse, Blumen, Couscous und wenn man gerade Lust auf einen Burger hat: einen verdammt guten Burger.
39 rue de Bretagne, 75003 Paris.









Dieses Mal haben wir ganz in der Nähe von Merci gewohnt, was dazu geführt hat, dass ich fast täglich in diesem Concept Store vorbeigeschaut habe. Albern, klar, aber auch sehr glücklich machend, weil ich in letzter Zeit selten dazu gekommen bin, mal in Ruhe nach schönen Dingen zu stöbern und davon gibt es hier unendlich viel: Kleidung, Küchenkram, Kosmetik, Seifen, Lampen, Magazine oder Leinenbettwäsche. Und die kleinen Armbänder, die mir bisher immer viel Glück gebracht haben.
111 Bd. Beaumarchais, 75003 Paris.



Im dunkelblau gestrichenen Laden des französischen Labels Soeur, das sich die beiden Schwestern Domitille und Angélique Brion ausgedacht haben, bekommt man sehr lässige T-Shirts und Sweatshirts, Pullis und Taschen. Mir haben es vor allem die Baumwolltücher und butterweichen Blusen angetan, die ich seit letztem Sommer ständig trage. Immer diesen Schnitt. 
12 Bd. des Filles du Calvaire, 75011 Paris.

Die Kindermode von Bonton ist zauberhaft, die Preise sind aber happig. Deswegen kaufe ich zusammen mit Fanny in der Filiale gleich neben Merci am liebsten hübschen Kleinkram zum Spielen und fürs Kinderzimmer. Hinterher setzen wir uns Perücken auf und machen Quatschbilder im Passfoto-Automaten, wir haben schon eine ordentliche Sammlung.
5. Boulevard des Filles du Calvaire, 75003 Paris.


Hier gibt es unvernünftig schöne Hefte, Karten, To-do-Listen, Kalender und Blöcke, dazu Schreibtischzubehör wie Radiergummis oder Stifte.
5 Rue des Filles du Calvaire, 75003 Paris.


Mit Wörtern bestickte Ringelshirts, Hemden und Sweatshirts. Auf meinem steht „Liberté”, auf dem von Fanny „Petit Biscuit”. Ich habe sie zur Geburt von Hedi geschenkt bekommen, seitdem sind meine anderen Ringelshirts muffig. Ich kann ihre Eifersucht verstehen.
24 rue de Poitou, 75003 Paris.

Die Auswahl in diesem Laden ist klein, dafür aber besonders schön: Keramik, Gläser, Besteck und Kissen. Ich ärgere mich immer noch, dass ich mir keinen der Becher gekauft habe, die ich immer wieder in der Hand hatte, aber ich komme ganz bestimmt wieder.
10 rue du Pont aux Choux, 75003 Paris.



Hier bekommt man Papier aus Japan und eine große Auswahl an Origiami-Papieren. Dazu Girlanden mit kleinen Papiersternen oder Kranichen, auch zum Selberbasteln, Masking-Tape und Sticker.
54 Bd Richard Lenoir, 75011 Paris.

Sessùn
Sehr hübsche französische Mode. Es gibt auch einen Laden in Berlin, diesen halte ich trotzdem für erwähnenswert, weil es hier eine ganz fabelhafte Beratung gibt und ich es so mag, Dinge im Kleiderschrank zu haben, bei denen man immer an einen schönen Urlaub zurückdenkt.
6 rue du Pont aux Choux, 75003 Paris.

La Tresorerie
Noch so ein Laden, den ich gerne eingepackt und mitgenommen hätte. Die Seifenschalen, Einweckgläser, Teekannen und Sofadecken, die man hier bekommt, sind schlicht und schön und genau mein Fall. Zum Laden gehört auch das sehr hübsche Café Smörgås, das ich mir schon fürs nächste Mal vorgemerkt habe.
11, rue du Château d´Eau, 75010 Paris.

Ein zauberhafter Kinderladen voll kleiner und großer Schätze: Deko, Spielzeug, Lampen, Kindergeschirr und Geburtstagsdekoration und hübsche, taschengeldfreundliche Kleinigkeiten.
14 rue de Charonne, 75011 Paris.

Gleich um die Ecke findet man den Einrichtungsladen Ailleurs, den ich schon lange auf Instagram angeschmachtet hatte. Als ich dann endlich da war, hatte er geschlossen. Manchmal hilft es ja, sich vorher die Öffnungszeiten anzusehen. Vielleicht war das aber auch ganz gut so, wahrscheinlich hätte ich hier viel zu viel Geld ausgegeben.
17 rue Saint Nicolas, 75011 Paris.

Fürs nächste Mal vorgemerkt:
* Candelaria
Jacques Genin

Alle Adressen habe ich euch auf dieser Karte zusammengefasst.


Und falls ihr jetzt auch gerade ein wenig Fernweh habt, ist hier die Playlist, die ich gerade gerne höre: One Week in Paris.


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NEUES (UND ALTES) FÜR DIE WÄNDE: NEUN LIEBLINGSPRINTS


Das Schöne an einem Umzug: Man mistet endlich mal richtig aus. Und hat einen Vorwand, die Wände neu zu behängen. Hier sind ein paar Prints, die mir gut gefallen – vielleicht seid ihr ja gerade auch auf der Suche.

1) „Green Leaves” von Desenio. Seit unserem Umzug bin ich total pflanzenverknallt. Ich habe mir ein paar Töpfe zugelegt und dann noch ein paar mehr. Und freue mich jeden Tag über sie. Über meinem kleinen Garten hängen diese grünen Blätter.
2)  „Leaf lines (blue)” von Silke Bonde. So schön zart.
3) „Black &” von Desenio. Ich mag Unds, deswegen hängt dieses über meinem Schreibtisch.
4) „Tiger” von Fine Little Day. Diesen Tiger habe ich beim Rumstöbern auf Ink + Olive entdeckt. Jetzt bewacht er unser Schlafzimmer.
5) „Monstera Three” von Desenio. Ich sag ja: pflanzenverknallt.
6) „Above the Clouds” von Christoph Abatzis über Junique, weil Wolkengucken immer eine gute Idee ist.
7) „Finds” von Fine Little Day. Diese Fundstücke erinnern mich an die Dänemark-Urlaube meiner Kindheit, die wir hauptsächlich damit verbrachten, Schätze zu sammeln. Vom Wasser abgeschliffene Scherben, besonders runde oder pechschwarze Steine, manchmal auch einen klitzekleinen Bernstein. Meine Sammlung sah allerdings nie so hübsch aus.
8) Das „Enjoy it” von Petersen hängt schon lange an meinen Wänden und findet immer wieder einen neuen Platz.
9) „In voller Blüte” von Lumelena. Für immer blühende Rosen, weil ich die leise Melancholie dieses Bildes sehr mag.

Was hängt denn an euren Wänden? 
Kommt gut in die Woche!
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DER APRIL UND DER MAI 2017
(UND WAS SIE GUT GEMACHT HAT)


WAS LOS WAR
Der April begann mit meinem Geburtstag. Dann sind wir für eine Woche nach Paris gefahren. Eine Reise, die wir ausgemacht hatten, bevor wir wussten, dass wir umziehen. Erst habe ich geflucht. Wer verreist bitte eine Woche vor einem Umzug (und zwar als Haustausch – also ohne Kisten packen zu können, die Gäste sollen es ja gemütlich haben)? Am Ende war diese Woche wohl das Beste, das uns passieren konnte. Ein großes Atemholen vorm Umzugsmarathon. Von all den schönen Paris-Reisen vielleicht die schönste, weil wir uns einfach haben treiben lassen. Dann der Umzug, der weniger chaotisch war, als befürchtet (vor allem, weil wir so tolle Unterstützung hatten). Jetzt leben wir uns langsam ein, finden neue Rituale und Lieblingsplätze und legen uns in die Badewanne. Was für verrückte, kräftezehrende, fantastische zwei Monate.

DAS BESTE AN DER NEUEN WOHNUNG
Ach, so vieles, auch wenn die alte Wohnung eine so große Liebe war. Sie ist unglaublich hell. Morgens scheint die Sonne in die Küche, am Abend durch die Balkontür auf meinen Schreibtisch. Überhaupt: dieser Schreibtisch. Er ist groß und steht vorm Fenster und vor dem Fenster steht ein Baum und am Ende der Straße gibt es eine Wohnung, in der spät nachts auch immer noch das Licht brennt. Und erwähnte ich schon die Badewanne? 

SCHÖNSTER MOMENT
Als Fanny mich mit geschlossenen Augen in die Küche geführt hat, wo ein riesiger Kuchen mit Kerzen stand, und dann alle Geburtstagslieder gesungen hat, die sie kannte. Als wir am ersten Morgen in Paris bei offenem Fenster in der Küche saßen und Pains au chocolat futterten. Als das Wohnzimmer dunkelblau gestrichen war und ganz genau richtig aussah. Als ich am ersten Morgen in der noch vollkommen chaotischen Wohnung aufwachte und dachte: doch, das war die richtige Entscheidung. Als Hedi plötzlich sitzen konnte.

EIN GEGENSTAND, VON DEM ICH NICHT WUSSTE, DASS ICH IHN JE BRAUCHEN KÖNNTE UND DEN ICH JETZT NICHT MEHR MISSEN MÖCHTE
Der Aromadiffusor von Muji – das Geburtstagsgeschenk meiner Eltern. Immer in Benutzung, wenn Hedi gerade nicht in der Nähe ist. Jedes Mal, wenn ich ihn anstelle, macht er mich ruhig und friedlich. Und dieser Duft.

AUS PARIS MITGEBRACHT

GERNE GEGUCKT
„So isst Israel” – eine dreiteilige Dokumentationsreise von der Wüste Negev nach Jerusalem. Erzählt von Tom Franz, einem unglaublich sympathischen Rheinländer, der die israelische Version von „Masterchef” gewonnen hat. (Hier ist ein Interview mit ihm über die Küche Israels.)

GERNE GEHÖRT

GERNE GEKLICKT
Diese Geschichte über einen 15-jährigen Schüler und seinen Newsletter: „Wake Up to Politics”. 
Eine Frau und ihr Notizbuch. Ich liebe meines auch so sehr (und benutze es jeden Tag). 
* Den Instagram-Account von Catherine Dupon. Was für ein Stil.   
* Wie gerne hätte ich dieses Buch.
* „To be happier, focus on what´s within your control.”

NOCH NICHT GEGUCKT, GELESEN, GEHÖRT (WAS HOFFENTLICH NACHGEHOLT WIRD, SOBALD ICH DAZU KOMME)
* Ich habe viel Gutes von der Fernsehserie „This Is Us” gehört. Habt ihr schon mal reingeschaut?
* Noch eine Serie, die auf meiner Liste steht: „Big Little Lies”. (Wobei diese Kritik nicht gerade euphorisch klingt).
* Und endlich: „Alles inklusive” von Mareice Kaiser. 

Wie waren die letzten zwei Monate für euch? Ich hoffe, ihr habt viel Schönes erlebt.
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MACHERINNEN: FARROW & BALL-KREATIVDIREKTORIN CHARLOTTE COSBY IM GESPRÄCH ÜBER QUEREINSTIEGE, DEN CHARAKTER VON FARBEN UND DIE NEUESTEN TRENDS





Die Wände in allen meinen Wohnungen waren immer weiß. Bis auf das Kinderzimmer in der letzten Wohnung, das in einem so hellblauen Hellblau gestrichen war, dass es eher die Ahnung einer Farbe war als wirklich eine. Vielleicht liegt es am Umzug oder mir ist ein Mut gewachsen, den ich bisher nicht hatte. Vielleicht habe ich auch einfach nur zu lange auf die Farrow & Ball-Farbkarte gestarrt. Auf der stehen 132 Farben, die Elephant´s Breath oder Yellowcake heißen und die so aussehen, dass man unbedingt wissen will, wie es sich in Räumen leben würde, die mit ihnen gestrichen sind. Von Wänden umgeben, auf die ein Elefant geatmet hat. Jedenfalls beschloss ich, dass die Wände in der neuen Wohnung nicht überall weiß bleiben sollen. Dass aus den Rechtecken auf der Farbkarte Räume werden. Bist du dir sicher, fragte er. Ich mich auch, wenn ich den Kopf wieder eingeschaltet habe. An Farben kann man sich übersehen. Und was, wenn sie dann doch nicht gut aussehen. Weiß sieht ja auch schön aus. Außerdem sind die Preise für Farrow & Ball-Farben ganz schön Prada. Aber der Wunsch blieb. Und am Ende siegte die Verknalltheit. Es musste einfach sein. Ich habe uns ein paar Musterdosen gekauft, geschaut, welche Farbe funktioniert und welche nicht, und wie das Licht auf ihnen spazierengeht. Und dann haben wir das Wohnzimmer doch nicht wie geplant Stiffkey Blue, sondern Hague Blue gestrichen (das Dunkelblau war seine Idee und jetzt mag ich es so sehr). Und die Kinderzimmer in Dimpse – einer Farbe, die aussieht wie frische Luft, ganz klar, aber nicht kalt. Und das Bad in Peignoir, einem sehr grauen Rosa oder doch eher rosafarbenen Grau? Jedenfalls: meiner Lieblingsfarbe. Zu meiner großen Freude hat mir Farrow & Ball einen Teil der Farben, die ich dafür brauchte, zur Verfügung gestellt. Und jetzt? Weiß ich, wie wirksam Farbtherapie ist. Als nächstes werde ich unseren Küchentisch streichen. Die Farbe dafür habe ich schon gekauft. Sie ist ein bisschen irre für einen Küchentisch, aber wir können es kaum erwarten. Irgendwann, sobald die Umzugskistenberge abgearbeitet sind, werde ich hier Fotos zeigen. Vorab gibt es jetzt ein Interview mit Charlotte Cosby. Sie ist Kreativ-Direktorin der britischen Firma, die 1946 in Dorset gegründet wurde. Ich habe ihr ein paar Fragen über ihren Job und all die Dinge gestellt, die mir beim Farben-Herumüberlegen in den Kopf kamen. Vielleicht interessiert euch das ja auch...

Sie sind Creative Director bei Farrow & Ball. Wie kommt man an so einen Job? 
Charlotte Cosby: Ich habe an der Uni Management studiert und gleich danach in einer Bank zu arbeiten begonnen – um herauszufinden, dass mich Analysen des Schweizer Marktes nicht wirklich interessieren. Also habe ich meine Sachen wieder gepackt und bei einer Londoner Werbeagentur als Planerin angeheuert – um herauszufinden, dass mich das Kreative viel mehr interessierte. Also habe ich für eine Innenarchitektin und für eine Galerie gearbeitet, bis ich, im zarten Alter von 23, meinen Hafen bei Farrow & Ball fand. Ich fühlte mich wie ein Kind in einem Süßigkeitenladen voller Farben und Muster und beobachte jetzt schon zehn Jahre lang, wie die Marke sich entwickelt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? 
Ich habe einen dieser Jobs, in dem kein Tag dem anderen gleicht – was einer der Gründe dafür ist, dass ich ihn so mag. Es kann alles mögliche passieren: das Ausprobieren neuer Designs und Farbkombinationen in unserer Tapetenfabrik, die Suche nach neuen Ideen mit meinem Team, das Beaufsichtigen von Photoshootings für unsere Werbekampagnen oder der Besuch von Designmessen, um neue Trends zu recherchieren. 

Jede Farbe von Farrow & Ball hat ihre eigene Geschichte. Wie beginnt die Entwicklung einer neuen Farbe und wovon lässt man sich dabei inspirieren?
Das Tolle an unseren Farben ist, dass jede von ihnen sich aus einer ganz besonderen Geschichte oder Bedeutung herleitet, die in ihrem Namen angedeutet wird. Wir lassen uns von der Schönheit der Natur inspirieren, von unserem Firmensitz in Dorset, von alten Häusern, beeindruckenden Menschen, sogar vom Hautton von jemandes Backen! Ich bin auch schon mal mit einem Fossiliensammler an der Jurassic Coast unterwegs gewesen, um nach einem Ammoniten-Fossil zu suchen, weil wir überprüfen wollten, ob wir die Farbe richtig getroffen hatten.

Was muss eine Farbe eigentlich haben, damit sie in den Laden kommen darf? Wir sprechen dabei ja über winzige Grade und Nuancen...
Wir führen nur alle zwei oder drei Jahre neue Farben ein, und weil die Entwicklung so lange dauert, ist es jedes Mal richtig aufregend. Wir haben auf unserer Farbpalette immer nur 132 Farben, und das bedeutet, dass sich jede einzelne Farbe ihren Platz wirklich verdienen muss. Wenn eine Farbe bereit ist, auf den Markt zu kommen, hat sie, was alle unsere Farben zu bieten haben – eine unvergleichliche Tiefe und Lebendigkeit.

Als ich das richtige Blau für mein Wohnzimmer suchte, habe ich schnell festgestellt, dass die unterschiedlichen Blaus einen sehr eigenen Charakter haben. Drawing Room Blue ist sehr aufgeräumt, Hague Blue irgendwie erdig und Stiffkey Blue sehr natürlich und sauber. Beim Betrachten der Farbpalette reagierte ich auf jede Farbe sehr spezifisch, und ich habe mich gefragt, wie diese Reaktionen zustandekommen. Können Sie mir beschreiben, wie eine Farbe zu ihrem Charakter kommt? 
Ich glaube, dass Farben ihren entscheidenden Charakter durch die zugrundeliegenden Töne erhalten. Hague Blue hat zum Beispiel Anklänge von Grün und erhält dadurch einen vielseitigeren Reiz und zusätzliche Dramatik, während Stiffkey Blue sich eher wie ein wirkliches Blau anfühlt, in dem keine anderen Farbtöne dominieren. Wir alle sehen Farben unterschiedlich, und Entscheidungen werden oft emotional getroffen, etwa, wenn wir zu bestimmten Farbgruppen oder Tonlagen hingezogen werden. Diese emotionalen Entscheidungen können von den verschiedensten Elementen ausgelöst werden – von Fotostrecken in Magazinen oder von Freunden, die Designtrends folgen. Oft werden sie aber von Unbewusstem ausgelöst, von Erinnerungen an Glücksmomente oder Orten, die wir bereist haben.

Ich mag Farben, hatte aber nie den Mut, meine Wände zu bemalen. Ich möchte beispielsweise unbedingt mein Wohnzimmer in Stiffkey Blue streichen, gleichzeitig habe ich einen Riesenrespekt davor...
Stiffkey Blue hat einen wunderbaren dunkelblauen Ton, der von der Farbe des Schlammes am Strand von Stiffkey inspiriert ist. Es würde jedem Raum mehr Dramatik geben. Es ist eine sehr zeitgemäße Farbe, die eine stylische und doch gemütliche Atmosphäre erzeugt, sei es in einem modernen oder in einem Landhaus. Wenn dich die Vorstellung nervös macht, deine Wände damit zu streichen, würde ich es in einem kleinen Raum ausprobieren, im Badezimmer oder in der Garderobe zum Beispiel, wo Stiffkey Blue aufgrund seiner Blautöne eine intime, stimmungsvolle Atmosphäre erzeugen würde. Für eine fröhlichere Anmutung würde ich die Farbe in Kombination mit Light Blue oder Setting Plaster für eine hervorgehobene Wand verwenden. 

Welche drei Dinge sollte man beherzigen, wenn man die richtige Farbe für seine Wände sucht?
Erstens: Über die Architektur, den Zweck, den Schnitt, die Ausrichtung und vor allem das Licht eines Raumes nachdenken. All das trägt zur Anmutung einer Farbe bei. Zweitens: Die Farben am gewünschten Ort mit einer Musterdose testen, um herauszufinden, wie sie auf die Lichtverhältnisse reagieren. Es gibt kein richtig oder falsch, aber ein Test am Einsatzort sagt einem, ob eine Farbe wirklich zum Raum passt oder nicht. Es ist auch eine gute Idee, mit dem Raum zu beginnen, in dem man am wenigsten Zeit verbringt. Ein seltener benutztes Esszimmer oder ein Badezimmer sind toll, um eine Farbpalette auszuprobieren, weil man dort nicht gleich überwältigt wird und Zeit hat, sich allmählich an sie zu gewöhnen. Und ein kleines Badezimmer in mutigen Farben wie Brinjal, Pelt oder Rectory Red wird schnell zum Gesprächsthema werden.

Apropos Gesprächsthema: Gibt es gerade bestimmte Farbtrends? Und was sind zeitlose Klassiker?
Unsere Farben für das Frühjahr 2017 sind Studio Green, Hay, Radicchio und All White. Diese Farben verbinden dramatische, lebhafte Akzente mit zurückgenommenen und subtilen Tönen und funktionieren sowohl in modernen als auch traditionellen Umgebungen. Neutrale Farben sind immer zeitlose Klassiker. Viele Leute fühlen sich in sorgfältig ausbalancierten Farbumgebungen wohl, aber wir bemerken auch, dass die Menschen bei ihrer Farbwahl immer kühner werden und die Klassiker als Akzent zusammen mit stärkeren Farben verwenden – eine großartige Methode, um Klassisches mit einem Trend zu verknüpfen.



Vermutlich eine schwierige Frage, aber: Welche Farbe spricht Sie gerade am meisten an?
Meine Lieblingsfarbe ändert sich ständig. Im Augenblick liebe ich Hay, diese Farbe hat mich in eine kleine Obsession gestürzt. Sie ist warm und unglaublich zart. Ich glaube, ich muss meine Küche schon wieder neu streichen!

Vielen Dank.

Eine kostenlose Farbkarte gibt es hier. Mehr über die wasserbasierten Farben und ihre Herstellung hier. Habt ein schönes Wochenende!

Dieser Beitrag ist in freundlicher Kooperation mit Farrow & Ball entstanden. Die Meinung über diese Farben ist ganz meine.
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